
(Bildquelle) Momentan besucht der Papst Österreich. Ein Riesenereignis. Es wird medial ausgeschlachtet und auch die Kirche hofft, dass sie von diesem Besuch profitieren kann und die Menschen ins Nachdenken kommen. Was mir auffällt ist, dass Menschen tatsächlich Fragen haben und oft auch interessiert sind, was eine Persönlichkeit wie Benedikt der XVI. zu sagen hat. Auch viele Menschen, die jetzt nicht gerade nach Mariazell gefahren sind und sich vielleicht nicht mal als (gute) Katholiken bezeichnen würden, wollen zumindest mitbekommen, was da geschieht und was gesagt wurde. Eine Position, wie sie der Papst hat, ist einzigartig und doch symbolisch für viele Leiter, besonders im geistlichen Bereich. Der Einfluss, den ein solcher Leiter hat, birgt viele Chancen aber auch Gefahren in sich! Das hat mich besonders beschäftigt, als ich sah, wie dieses Ereignis sogenannte „Fans“ anzieht, aber auch Kritiker der Kirche sich zu Wort melden! Manche von euch sind auch Leiter, vielleicht nicht mit diesem Einfluss, oder sagen wir mal noch nicht (SCNR), und doch können wir von den Chancen und Gefahren, die eine so exponierte Stellung, wie sie der Papst hat, etwas für uns lernen: Die Chancen einer solchen Position sehe ich darin:
- Menschen, die sonst nichts mit dem Glauben am Hut haben, werden zusammengebracht
- Menschen, die sich engagieren, werden ermutigt weiter zu machen
- Menschen, die selbst in Leitungspositionen sind, werden zumindest zum Aufhorchen und Nachdenken veranlasst
- Durch alle diese Faktoren zusammen könnte wirklich etwas bewegt, in Gang gebracht und Veränderungen bewirkt werden
Gefahren, die ich sehe, wenn ein Leiter eine starke und exponierten Stellung hat sind:
- Menschen geraten in Abhängigkeit. Vor lauter Bewunderung vergessen sie selbst zu überlegen, nachzudenken oder eine eigene persönliche Beziehung zu Gott zu entwickeln. Der Leiter wird zum Mittler!
- Oder ein anderes Extrem: Man gibt sich vor dem Leiter anders als man wirklich ist, stellt sich geistlicher und besser dar. Das Äußere, das Image zählt. Man beginnt sich zu verstellen, um in keinen Konflikt mit dem Leiter zu kommen.
- Der Leiter nutzt seine Position nicht, um Menschen zur Mündigkeit und Reife zu verhelfen sondern manipuliert sie, um seine eigenen Ziele zu erreichen.
All das muss nicht in großen Kirchen sondern kann auch in kleinen Gruppen und Gemeinden passieren. Vor allem geschieht es dann, wenn wir Jesus selber aus den Augen verlieren und unsere eigenen Ziele verfolgen. Deswegen ist es wichtig, gesunde Leiter zu haben, mit der richtigen Perspektive. Leitung abzuschaffen, was manche für die Lösung halten, ist nicht der richtige Weg. Wir brauchen Leiter, die unabhängig von den Menschen, frei von Menschenfurcht sind und dennoch das große Anliegen haben den Menschen zu dienen. Leiter, die wie Jesus sich nicht vor großen Namen oder ehrwürdigen Traditionen fürchten, die nicht konfliktscheu sind und die vor allem bereit sind, ihr Leben für Menschen hinzugeben. Wer entspricht diesem Bild? Du? Der Papst? Ich? Wichtig, dass wir bereit sind, in diese Richtung zu gehen. Letztlich ist nicht deine Position entscheidend, sondern ob du ein dienendes Herz hast. Ich schließe diesen Beitrag ab mir einem Zitat von Erwin McManus aus seinem lesenswerten Buch „Aufstieg aus der Asche“:
„Statt an seiner Macht festzuhalten, lässt Jesus ihr freien Lauf. Für ihn sind weder Liebe noch Macht eine limitierte Ware. Beide sind reichlich vorhanden, und es ist nicht notwendig, sie hinter Schloss und Riegel zu verwahren. Wie bei der Liebe liegt es auch im Wesen der Macht, dass sie sich ausbreitet, wenn man sie austeilt. Wenn wir Angst haben, Macht zu verlieren, beginnt sie bereits zu schwinden. Wenn wir Macht als ein Geschenk betrachten, das uns gemacht wurde, um anderen zum Guten zu dienen, haben wir das wahre Geheimnis gelernt – entweder hat dich die Macht unter Kontrolle oder du die Macht.
Wenn Sie nach Macht dürsten, sind Sie ihr Sklave. Wenn Sie für andere leben, dann sind Sie ein bevollmächtigter Diener Gottes. Nur denjenigen, die leben wollen, um zu dienen, kann Gottes Macht anvertraut werden. Wir drehen dieses Muster anscheinend um. Wir beten um Gottes Macht, während wir darüber nachdenken, ob wir Gott mit unserem Leben wirklich dienen wollen. Doch die Macht Gottes ohne das Herz Gottes würde zu unvorstellbarer Gottlosigkeit führen. Gott bereitet es Freude, seine Macht denjenigen anzuvertrauen, die ihm in ihrer Schwachheit dienen.“
Sorry, das ist jetzt doch ein langer Beitrag geworden! Gratulation wenn du bis hierher durchgehalten hast!