Gerade habe ich einen Artikel von einem hauptamtlichen christlichen Leiter gelesen und ups mich dabei ertappt: Wie geht es dir? Wir haben wohl einen Code entwickelt mit möglichst vielen Worten möglichst wenig über uns selbst sagen zu müssen. Erst am Sonntag habe ich mich versucht einem brüderlichen Nachfrager zu entwinden! Ja momentan geht es mir geistlich nicht so gut, ich kämpfe mit Niedergeschlagenheit, meine Ehe ist in einer Krise, wie kann ich bloss meine Kinder wieder auf Kurs kriegen!? Wann hast du mal so einen Satz von einem Christen, besonders einem berufsmäßigen gehört? Wir möchten gerne Menschen helfen und freuen uns wenn sie mit ihren Problemen zu uns kommen (Vielleicht auch schon nicht mehr). Aber wir fürchten uns davor etwas von uns preiszugeben! Natürlich müssen wir nicht jedem einzelnen den wir kennen haarklein unsere persönlichen Probleme oder Kämpfe schildern, aber manchmal habe ich das Gefühl wir haben uns eine Mauer von christlichen Schlagworten zurechtgelegt mit denen wir uns dann gegenseitig anpredigen anstatt auszutauschen. Halleluja Bruder, es geht mir unverdient gut !
5. Dezember 2006
6 Kommentare »
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI



Hallo Reinald,
„keinen Kommentar“ hast du geschrieben. Ich frage aber trotzdem, wie du dich h e u t e fühlst. Der Text ist vom 5.Dez., und heute ist der 8. Dez. Hat sich etwas getan in der Zwischenzeit?
Du weisst, dass ich für dich/für euch bete. Jetzt weiss ich, wofür ich im Detail beten kann.
Kommentar von Lisa Walter — 8. Dezember 2006 @ 19:03
Hallo Lisa!
Danke für deinen Kommentar und vor allem für Deine Gebete! Ich glaub ich muss jetzt trotzdem ein bisschen was erklären:
1.“Kein Kommentar“ habe nicht ich ich geschrieben, sondern solange niemand einen Kommentar abgibt ist das die Funktion auf dieser Seite so eingestellt, dass unter dem Artikel steht „kein Kommentar“ sobald du Deinen Kommentar dazu gegeben hast stand dort „1 Kommentar“.
2.Der Artikel war ein bisschen flappsig geschrieben, aber es ging mir darin nicht hauptsächlich um mich sondern um ein allgemeines Verhalten, das mir an diesem Tag bei jemanden aufgefallen war, das aber auch ich manchmal bei mir beobachte.
3.Und zuletzt, ja heute geht es mir wirklich besser als am Dienstag!
Kommentar von reinald — 9. Dezember 2006 @ 10:54
Ich denke, es gibt dafür verschiedene Gründe:
- wir sind so darauf gedrillt, als „siegreiche“ Christen zu leben, dass wir denken, jedes Zugeben von Schwierigkeiten stempelt uns sofort als Versager im Glauben ab.
- wir werden dazu erzogen, unsere „Schmutzwäsche“ daheim zu waschen, weil es die anderen nichts angeht.
- durch unsere Mentalität tendieren wir dazu, sehr kritisch zu sein und kein Blatt vor den Mund zu nehmen, Wahrheit wird wichtiger als Liebe, und so verurteilen wir einander fröhlich zu Tode.
- viele unserer christlichen Beziehungen mangelt es an der Vertrauensbasis, dass ich so angenommen bin wie ich bin, auch wenn nicht alles eitle Wonne ist.
- Last but not least: aus eigener Erfahrung weiß ich wie wenige wir begriffen haben, was es heißt, dass wir bei Gott total angenommen sind, dass es keine Verurteilung gibt und dass das auch das Ende aller Selbstverurteilung ist. Wirklich berstanden und gelebt würde das zur totale Gelassenheit führen, auch wenn wir Fehler machen, und damit auch zur Annahme des anderen mit seinen Fehlern.
Ich dachte, ich habe das gelernt. Aber ein Ereignis heute hat mir gezeigt, dass ich es total nicht in der Tasche habe. Ergebnis: Nervösität und Angst vor der Verurteilung durch Kollegen, für das, was ich in der Verantwortung vor Gott getan (oder nicht getan) habe.
Kommentar von jutta — 14. Dezember 2006 @ 17:52
Hallo Jutta!
Ich freue mich, dass du meinen Blog besuchst! Vielen Dank für deinen Kommentar.Ich habe den Eindruck du hast das schon viel besser reflektiert als ich.
Kommentar von reinald — 14. Dezember 2006 @ 22:55
Meine Beschäftigung mit dem Thema kommt großteils durch mein Arbeiten mit dem 12-Schritte Programm. Und die Traurigkeit, die ich empfinde, dass hier eine nicht-christliche Gruppe (obwohl der Ansatz biblisch und die Gründer Christen waren) genau das praktiziert, was die Bibel lehrt, während die christliche Gemeinde an dem Punkt versagt – nämlich im Ausleben der Barmherzigkeit. Buchempfehlung:
Grundkurs Barmherzigkeit
Kommentar von jutta — 15. Dezember 2006 @ 21:12
Hallo Jutta!
Sorry, dass ich erst jetzt antworte!Gero Herrendorf,der das Buch, das du empfiehlst geschrieben hat, und andere haben eine Initiative ins Leben gerufen, so dass es inzwischen im deutschsprachigen Raum im christlichen/gemeindlichen Umfeld solche 12-Schritte-Gruppen gibt!Hier ist der Link dazu: http://www.endlich-leben.net/.
Grüße Reinald
Kommentar von reinald — 20. Dezember 2006 @ 18:39